Aids-Medikamente reduzieren Übertragungsrisiko fast komplett

Die Einnahme von Aids-Medikamenten kann das Risiko einer Übertragung des HI-Virus von einem infizierten auf einen HIV-negativen Partner durch ungeschützten Geschlechtsverkehr fast auf Null absenken.

Das zeigt die bisher größte Untersuchung mit fast 900 von Paaren zu diesem Thema mit österreichischer Beteiligung. Sie wurde jetzt im "Journal of the American Medical Society" ("JAMA") veröffentlicht.

Die für die Studie untersuchten HIV-Infizierten nahmen regelmäßig antiretrovirale Medikamente ein, welche die Virus-Last im Körper bis unter die Nachweisgrenze bringen können. Die Virus-Konzentration musste unter 200 Partikel pro Milliliter Blut unter der antiretroviralen Therapie betragen. Die HIV-negativen Partner wurden regelmäßig auf eine eventuelle Infektion untersucht. In Fragebögen machten die Paare Angaben über ihr Sexualleben. Die Daten von 888 Paaren konnten für die Auswertung herangezogen werden. Knapp 62 Prozent der Paare waren heterosexuell, 340 Paare (38 Prozent) waren Männer, die mit Männern Sex hatten. Insgesamt kam es laut den Angaben zu rund 58.000 ungeschützten Sexualkontakten.

Insgesamt waren an der Studie 75 europäische Aids-Zentren beteiligt. Unter den Wissenschaftern befanden sich auch Spezialisten der Wiener und der Innsbrucker Universitätsklinik. Österreichische Co-Autoren waren Armin Rieger (Universitäts-Hautlinik/Wien im AKH) und Robert Zangerle (Universitäts-Hautklinik/Innsbruck). Im Untersuchungszeitraum, der sich im Durchschnitt auf 1,3 Jahre pro Paar belief, konnten die Wissenschafter keinen einzigen Fall dokumentieren, in dem der infizierte Partner den nicht-infizierten angesteckt hatten.

Grundsätzlich war das auch schon bisher durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt. Bereits 2008 hatte es in einem Schweizer Expertenstatement unter anderem geheißen: "Eine HIV-infizierte Person ohne andere sexuell übertragbare Erkrankung unter einer antiretroviralen Therapie (ART) mit vollständig supprimierter Virämie ist sexuell nicht infektiös, das heißt, sie gibt das HI-Virus über Sexualkontakte nicht weiter (...)." In mehreren Beobachtungsstudien - eine davon lief über 14 Jahr hinweg - hatte bereit gezeigt werden können, dass eine starke Unterdrückung der Viruskonzentration durch die antiretrovirale Therapie die Infektiösität drastisch senkt.
Die Autoren der neuen Studie sind allerdings noch vorsichtig. Für die Antwort auf die Frage, ob ungeschützter Sex in solchen Fällen grundsätzlich unbedenklich sei, müssten indes noch weitere Untersuchungen angestellt werden, schrieben die Wissenschafter um Alison Rodger vom University College in London. Allerdings gäben die bisherigen Befunde den betroffenen Paaren "informative Daten zur Hand, auf die sie ihre Risikoeinschätzung stützen könnten".

Im Verlauf des Untersuchungszeitraums zogen sich zwar elf zu Beginn nicht infizierte Männer das HI-Virus zu; allerdings hätten Molekularuntersuchungen ergeben, dass sie das Virus nicht von ihrem infizierten Partner hatten. Acht der elf Betroffenen hätten angegeben, außerhalb der Beziehung ungeschützten gleichgeschlechtlichen Sex gehabt zu haben.

In einem Kommentar zu den Befunden der Studie rieten die Infektionsforscher Eric Daar und Katya Corado von der University of California von einer generellen HIV-Entwarnung ab. Zwar sei das Infektionsrisiko bei einer medikamentösen Behandlung "gering", schrieben sie. Allerdings bedürfe es weiterer Untersuchungen, um dieses Risiko genau abschätzen zu können.

http://www.nachrichten.at/


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